Warum Kunst erst durch die Putzfrau unbezahlbar wird

Die Putzfrau ist nicht einfach nur eine gewöhnliche Tuss, die unseren Dreck wegmacht. Das könnte prinzipiell auch jeder gewöhnliche Hartz-IV-Empfänger als 1-Euro-Job erledigen. Nein, die Putzfrau ist eine Erleuchtete der Kreativität, ohne sie würde die Kunst der modernen Welt immer noch auf Steinzeit-Niveau vor sich hin dümpeln.

Zum Beispiel hatte die Künstlerin Romana Menze-Kuhn das Glück, vom überlegenen Sachverstand einer dieser begnadeten Kunstveredlerinnen zu profitieren. Menze-Kuhn durfte nämlich ihr schönes Kunstwerk ‚Behausung 6/2016‘ in der Mannheimer Philippuskirche ausstellen und zwar direkt vor dem Altar. Das Werk bestand im Wesentlichen aus zerknautschter goldfarbener Rettungsfolie eines Erste-Hilfe-Kastens, die sehr eindrucksvoll um ein paar Holzpaletten drapiert wurde, so dass eine Art Hütte entstand. Vor diese „Behausung“ legte die begnadete Künstlerin noch weitere zerknüllte Fetzen der schmucken Folie und zwar ganz zwanglos, um nicht zu sagen ‚ziemlich lose‘. Das ganze symbolisierte eine Flüchtlingsunterkunft, vor der sich Flüchtlinge aufhielten. Menze-Kuhn wollte damit ausdrücken, wie gering der Aufwand sei, schutzsuchenden Menschen zu helfen.

Ohne diese Erklärung erinnerte das Kunstwerk aber eher an Weihnachtsmüll. Nämlich an den Haufen glitzernden Geschenkpapiers nach dem Auspacken der Geschenke einer Großfamilie. So kam es, dass die brave Putzfrau, beim Reinemachen in der Kirche die Flüchtlinge kurzerhand in den Mülleimer entsorgte.

Als die Pfarrerin beim Gottesdienst am Sonntag ihrer Gemeinde das tolle Kunstwerk vorstellen wollte, war nur noch der traurige Rest in Form der Hütte übrig. Immerhin war die anwesende Künstlerin sehr gefasst und hatte auch sofort eine Idee, die neue Situation in ihre Kunst zu integrieren. Sie holte nämlich die Mülltonne samt weggeworfener Folie in die Kirche und stellte sie neben den Kunstwerk-Rest. Das von der Putzfrau verbesserte Kunstwerk konnte danach noch knapp zwei Wochen besichtigt werden, dann durfte der Rest ebenfalls in die Tonne.

Auch in Dortmund brachte es eine Putzfrau fertig, ein 800.000-Euro-Kunstwerk zu verbessern. Der für seine kompromisslose Kreativität bekannte Künstler Martin Kippenberger hatte seinem Werk den beeindruckenden Namen gegeben „Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen“. Kippenberger ist zwar seit vielen Jahren tot, aber sein Werk lebt weiter und wurde von seinem Besitzer für eine Ausstellung entliehen. Das Werk bestand aus einer Ansammlung kunstvoll aufgetürmter Holzlatten, unter denen eine schwarze Gummiwanne mit ausgeprägtem Kalkfleck stand.

Die kunstsachverständige Putzfrau entlarvte die Wanne allerdings als Müll und warf sie weg. Damit ist das aufs Wesentliche reduzierte Werk wahrscheinlich doppelt so wertvoll und wir raten dem Besitzer, der Putzfrau einen Teil des Mehrwerts als Belohnung auszuzahlen.

Der berühmte Künstler Joseph Beuys profitierte ebenfalls vom Genius einer Putzfrau. Und zwar bei seinem berühmten Werk „Fett-Ecke“. Das in der Ecke aufgetragene Fett, sollte nach dem Plan des Künstlers mit der Zeit seine Farbe und Konsistenz verändern und auf diese Weise symbolisieren, dass alles sich verändert – auch der Mensch – und irgendwann sogar ganz verschwindet. So lange wollte die Putzfrau aber nicht warten – sie schrubbte das Fett sofort weg.

Noch wesentlich berühmter ist die Badewanne von Joseph Beuys. Das völlig verdreckte Teil hatte der Künstler 1960 komplett mit Leukoplast beklebt. Vermutlich, damit man den Dreck nicht mehr sehen musste. Dieses wundervolle Kunstwerk sollte im Rahmen einer Wanderausstellung 1973 im Leverkusener ‚Schloss Morsebroich‘ ausgestellt werden und wurde einige Tage vor der Ausstellung bereits dort eingelagert.

Zwischenzeitlich feierte der SPD-Ortsverein Leverkusen ein schönes Fest in dem Schloss und dabei bewiesen die beiden SPD-Mitglieder Hilde Müller und Marianne Klein, dass nicht nur Putzfrauen begnadete Kunstveredlerinnen sind. Nach erfolgreichem Umtrunk wollten die beiden nämlich die Gläser spülen. Dazu brauchten sie unbedingt ein Behältnis.

Die beiden Mädels fanden natürlich die beklebte Badewanne und spürten plötzlich, wie der künstlerische Drang in ihren Eingeweiden hochkroch bis ins ideenreiche Großhirn. Sie zogen das Leukoplast ab, spülten die Wanne aus bis sie vor Sauberkeit blitzte und blinkte, danach waren die Gläser dran.

Leider hatten weder der Wannen-besitzende Kunstsammler noch diverse Richter auch nur einen Funken Kunstverstand und so musste die Stadt Wuppertal – als Leihnehmer der veredelten Wanne – dem Besitzer 56.000 D-Mark Entschädigung zahlen. Undank ist halt der Welt Lohn…

Aktionskunst schreit manchmal geradezu nach der Putzfrau

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„Is dat Kunst oder kann dat wech?“


Mancher Künstler geht buchstäblich in seiner Kunst auf…

Der steinige Weg zum professionellen Selfie

Dass ein findiger Handy-Hersteller beim verzweifelten Kampf um Marktanteile auf die Idee gekommen ist, in sein Mobiltelefon eine Front-Kamera einzubauen, hat die Welt grundlegend verändert. Wohin das Auge auch immer blicken mag, überall rotten sich ansonsten grundvernünftige Menschen zusammen, um mit einem kollektiven, total verblödeten Grinsen auf den Gesichtern, ein gemeinsames Foto von sich zu schießen. Keine Clique bringt es fertig, sich das zu ersparen, selbst wildfremde Leute glotzen – sobald einer sein Handy zückt – verblödet grinsend in die Kamera. Manchmal sogar ohne jeden Einfluss von Alkohol oder Drogen.

In Wirklichkeit ist das Selfie aber eine ungeheure Leistung, die von den Mitmenschen leider immer noch nicht entsprechend gewürdigt wird. Es gehört eine Menge Selbstdisziplin dazu, das Selfie aufzunehmen – je mehr Leute daran beteiligt sind, desto unmenschlicher lastet die Anspannung auf jedem einzelnen Teilnehmer.

Das von Könnern aufgenommene Gruppen-Selfie gliedert sich in vier Phasen:

Phase 1
Jemand zückt sein Handy zum Selfie. Sofort springt jeder einzelne innerhalb der umliegenden zehn bis 15 Meter mit einem kühnen Satz zum Handybesitzer und quetscht sich an ihn oder an einen, der bereits an ihm klebt. Die Gesichtsmuskeln aller Beteiligten verziehen sich zu einem vermeintlichen Lächeln. Hier zeigt sich die Wichtigkeit der Front-Kamera des Handys, denn auf dem Display erscheinen nun die Gesichter aller Teilnehmer. Mit einem Blick sieht jeder Einzelne, dass seine Grimasse derzeit noch wenig mit einem entspannten Lächeln zu tun hat.

Phase 2
Die erste Korrektur lässt die Gesichtsmuskeln der Selfie-Teilnehmer etwas entspannen, ohne dass der eiserne Wille zum total relaxten Lächeln nachlässt. Die ungebrochene Motivation gräbt sich tief in die Gesichter ein, aber ein gewisser Optimismus schleicht sich fast unmerklich dazu.

Phase 3
Die Anstrengung zeigt jetzt allmählich Wirkung. Die Kraft in den Gesichtsmuskeln erlahmt, das optimistische Lächeln verschwindet zwangsläufig in dieser Phase. Mutlosigkeit erfasst die nahezu erschöpften Teilnehmer.

Phase 4
Der Handybesitzer muss jetzt beherzt eingreifen, um den Erfolg doch noch zu erzwingen. Er bringt die Teilnehmer dazu, ihre letzten Kräfte zu mobilisieren, indem er die Zauberworte sagt: „Wo ist das Vögelchen?“ Die nervenzerfetzende Anspannung ist schlagartig wie weggeblasen. Die Gesichter verziehen sich nun spontan zu einem entspannten, strahlenden Lächeln…

Die Fotos wurden nachgestellt von Joshua Resnick (rez_art) mit seinen Selfie-erprobten Top-Models

Der Erste Kuss – unsere Tips zum Erfolgs-Ratgeber von ‚Helpster’

Das Internet ist für junge Menschen deshalb so wertvoll, weil es dort für jeden Scheiß den passenden Ratgeber gibt. Die bekannte Service-Website ‚Helpster‘ bietet so einen Helfer zum Thema ‚Küssen‘ an, den kann man schon als ein echtes Stück Lebenshilfe bezeichnen: Wie bereitet man sich als blutiger Laie auf den ersten Kuss vor?

Angenommen, Sie sind noch Kuss-Jungfrau, treffen aber Heidi Klum und Angelina Jolie in der Fußgängerzone. Die beiden streiten sich sofort darum, wer Sie zuerst küssen darf. Ihnen fällt gerade noch rechtzeitig ein, dass Sie noch nie geküsst haben, werden deshalb zuerst knallrot, dann aschfahl und rennen schließlich schreiend weg.

Nicht, wenn Sie den erwähnten Kuss-Ratgeber von Helpster gelesen haben. Dort wird ihnen nämlich beigebogen, dass Mann und auch Frau für die Kuss-Premiere erst einmal bereit sein müssen.

Zu diesem Zweck empfiehlt der Ratgeber, mit einem ganz harmlosen Wangenkuss zu üben. Und zwar auf Ihrem Handrücken. Sie müssen zu diesem Zweck die weichen Lippen ganz zart auf den Handrücken drücken und zwar immer wieder. Machen Sie das solange, bis sie dabei – so der Ratgeber – ein besonderes Gefühlserlebnis haben.

Falls nicht, gehen Sie gleich zum Zungenkuss über. Der Ratgeber empfiehlt erst einmal eine Trockenübung: Beim Lutschen eines Bonbons könne man den richtigen Zungenschlag am besten üben.

Aber spätestens nach der dritten Tüte Bonbons suchen sie sich ein Mädelchen, das Sie schon immer mal küssen wollten. Bevor Sie sich mit der Tuss zu diesem hehren Unterfangen treffen, denken Sie daran, unerfahrene Küsserinnen ekeln sich leicht, schließlich wird beim echten Zungenkuss zwangsläufig Speichel übertragen.

Laut Ratgeber müssen Sie sich vor der Kuss-Premiere gründlich die Zähne putzen, duschen, Deo benutzen und so weiter und so fort. Dann wird die Süße den Kuss vermutlich knapp überleben. Aber Sie müssen dann jedes Mal, wenn Sie die Trine wieder küssen wollen, den ganzen Schmonzes wiederholen und wer will das schon?

Unser Tip: Tun Sie also das genaue Gegenteil: Härten Sie die Süße ab! Waschen Sie sich drei Wochen nicht und putzen in dieser Vorbereitungszeit auch nicht die Zähne. Am großen Tag essen Sie so viel Knoblauch und frische Zwiebeln, bis Ihnen schlecht davon wird.

Bei der Verabredung gehen Sie nun bis etwa einen Meter an die zu küssende Maid heran – achten Sie darauf, dass Sie immer Gegenwind haben – und Sie setzen dabei ihr süßestes Lächeln auf. Dann machen Sie überraschend einen schnellen Schritt auf die Kuss-Aspirantin zu und stecken ihr die Zunge so tief wie möglich in den Schlund.

Halten Sie die so zärtlich Geküsste dabei unbedingt gut fest, da ihr von so viel Liebe vermutlich die Sinne schwinden. Sobald sie wieder zu sich kommt, massieren Sie mit der Zungenspitze ihr Gaumenzäpfchen. Sie wird dann denken, der Brechreiz käme davon.

Zurück zum Ratgeber. Der empfiehlt, nun den Mund und die Zunge der Holden zu erforschen. Damit sie das einigermaßen professionell hinkriegen, sollen Sie vorher mit einer Schüssel voller Gummibärchen üben. Dabei müssen Sie versuchen, mit der Zungenspitze alle Gummibärchen einzeln herauszuklauben.

Unser Tip: Üben Sie lieber gleich am lebenden Objekt. Wenn Sie sich an unsere Vorbereitung gehalten haben, ist die Süße ohnehin einigermaßen benommen und Sie haben die Möglichkeit, den Mund ausgiebig durchzukämmen. Wenn es ziemlich sauer schmeckt, leidet die Geküsste an akutem gastroösophagealem Reflux oder Sie haben bereits den Magen erreicht.

Achten Sie bei der Erforschung unbedingt immer auf die Gesichtsfarbe der Holden. Verfärbt sie sich blau, ziehen Sie die Zunge vorsichtig wieder aus der Luftröhre heraus. Wenn sie trotzdem wegbleibt, leisten Sie Erste Hilfe. Befreien Sie die Patientin zu diesem Zweck umgehend von beengenden Klamotten und machen Mund-zu-Mund-Beatmung. Dabei können Sie praktischer Weise auch gleich weiter Küsse üben…



Der Mann macht es richtig, er entfernt zur Mund-zu-Mund-Beatmung gleich auch noch die eigene beengende Kleidung, so ist der Kuss nach erfolgreicher Beatmung gleich richtig ausbaufähig…

Der Ratgeber ist echt. Unsere Tips dazu sind eine Satire. In der Praxis angewandt könnten die Übungen leicht unangenehme Folgen haben, für die wir nicht haften

Beitrag aus Band 2 der Buchreihe “Knallharte Tips zum Überleben im Alltag” (erscheint im Frühjahr 2018)