Soziale Solidarität:
Gibt es bald die Heilung vom Merkel-Syndrom?

Sind die Tage von Angela Merkel als Kanzlerin gezählt? Nach der Jamaika-Pleite stehen die Deutschen plötzlich doch wieder auf eine große Koalition – also CDU mit SPD. Wer (außer Merkel) hat denn auch ernsthaft geglaubt, dass die Grünen und die FDP es länger als zehn Minuten gemeinsam im selben Raum aushalten, ohne zu kotzen?

Bevor Ihnen jetzt schlecht wird: Die SPD hat in der immerhin schon ein paar Wochen dauernden Vor-Opposition plötzlich dazugelernt. Oder genauer gesagt: da war doch mal was mit “sozial” im Programm der Sozis. Also vor vielen, vielen Jahren zwar, aber damals – bei der Parteigründung am 27. Mai 1875 in Gotha – da fanden die Sozis dieses Wörtchen so schnuckelig, dass sie es in ihren Parteinamen integrierten: ‚Sozialdemokratische Partei Deutschlands’. Und das Wörtchen “sozial” kennen die Jungs und Mädels von der SPD (trotz eher mäßigen Wortschatzes) heute immer noch. Nur die genaue Bedeutung ist – nach Willy Brandt und Helmut Schmidt – ein wenig in Vergessenheit geraten, wenn auch nicht so gründlich, wie bei der CDU.

Denn die hat ja bekanntlich seit vielen Jahren Merkel an der Backe und kann deswegen auf Soziales gut verzichten. Denn wer direkt aus dem real existierenden Sozialismus ‚rübergemacht’ hat, direkt ins kapitalistische Schlaraffenland für Besserverdienende, weiß genau, dass die gesunde Geldgier von Politikern nur durch die Wirtschaft befriedigt werden kann. Außerdem kann sich der deutsche Wähler bekanntlich nichts von 12 bis Mittag merken. Zumindest unsoziale Politik ist bisher zuverlässig schon nach wenigen Monaten einer ominösen Wähler-Demenz zum Opfer gefallen.

Die SPD hatte es bei den Deutschen nie so einfach. Nicht früher und erst recht nicht heute. Denn ihre Hoffnung auf mehr Stimmen heißt inzwischen dummerweise Martin Schulz, und der guckt immer aus der Wäsche, als ob er gleich losheulen wollte. SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach* hat dagegen gut lachen, denn seine Idee könnte der SPD tatsächlich den Sieg übers wandelnde Merkel-Syndrom bescheren: Die Bürger-Versicherung. Wird diese Sozialversicherung konsequent eingeführt, müssen alle einkommenssteuerpflichtigen Bürger einzahlen, damit ist sie unter anderem zwangsläufig das Ende der privaten Krankenversicherung, die bisher das Geld der Gutverdiener schützt.

Mit Einführung der Bürgerversicherung sind dann schlagartig sämtliche bisherigen Probleme der deutschen Sozialversicherungen endgültig Geschichte, sagen seriöse Experten. Merkel und die CDU fühlen sich natürlich nur den Privatversicherten verpflichtet, die sind ihre treue Klientel. Aber ohne Wechselwähler ist eine Wahl nicht zu gewinnen und die sind im Wesentlichen eher keine Privatpatienten. Gibt es also Neuwahlen, werden die nur von einem Thema dominiert: Soziale Solidarität!

Merkel und die Partei der Besserverdienenden haben also die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub. Die Koalition mit der SPD bringt die gefürchtete Bürgerversicherung, wenn auch vermutlich in abgeschwächter Form. Aber bei Neuwahlen wird die SPD plötzlich jede Menge der nahezu 40 Prozent starken Gruppe unserer Nichtwähler mobilisieren können. Dann hat sie womöglich die absolute Mehrheit und Merkel sitzt samt CDU auf den harten Oppositionsbänken…

*Dr. med. Karl W. Lauterbach, ist Professor an der Universitätsklinik Köln und stellvertretender Fraktionschef der SPD im Deutschen Bundestag.
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Merkel in der Opposition. Sie trägt übrigens gerne als Schmuck ihr altes Fahrrad-Schloss aus der DDR weil sie fest davon überzeugt ist, dass es ihr Glück bringt und außerdem  ihren faltigen Hals verdeckt. In Wirklichkeit lenkt aber das Merkel-Syndrom jede Aufmerksamkeit auf sich 😉

Foto: www.kremlin.ru / über Wikimedia Commons