Warum Wikipedia ein ganz männerfeindlicher Haufen ist

In einer großen deutschen Tageszeitung wurde von einem (männlichen) Redakteur beklagt, Wikipedia sei ein sexistischer Männerverein. Weil der Typ bei dem Internet-Lexikon nach einer Liste deutscher Dichterinnen gesucht hatte, aber die Informationen sehr spärlich gewesen seien.

Als er danach die Liste der Pornodarstellerinnen aufrief, tauchten ganze Myriaden dieser netten Damen auf, fein säuberlich geordnet nach Alphabet und mit detaillierten Informationen über alles was die Mädels im Einzelnen schon geleistet hatten.

Leider hat dieser Redakteur offenbar keine blasse Ahnung, wie Online-Lexika funktionieren, sonst hätte er sich den Artikel gespart. Denn die Einträge dort richten sich schlicht und ergreifend nach der Relevanz. Und deutsche Dichterinnen interessieren heutzutage nun mal keine Sau, Pornodarstellerinnen sind dagegen deutlich beliebter.

Dass die Wikipedia rettungslos von Männern dominiert wird – scheinbar liegt der Männeranteil dort bei 90 Prozent -, ist keineswegs vom lieben Gott so gewollt. Bei Wikipedia darf nämlich jeder mitmachen, auch und ganz besonders Frauen, die sich für deutsche Dichterinnen interessieren.

Wenn nun also die Myriaden deutscher Frauen, die sich für Germaniens Lyrikerinnen erwärmen,  ein wenig ihrer Zeit opfern und bei Wikipedia mitarbeiten, können sie nicht nur die Liste der Dichterinnen akribisch vervollständigen und alles wissenswerte über jede Einzelne in die Welt schreien, sondern auch noch ganz cool erwähnen, dass die Österreicherin Hedwig Eva Maria Kiesler durch ihre Erfindungen so praktische Dinge wie Bluetooth oder WLan erst möglich gemacht hat und außerdem noch – ganz nebenbei – unter dem Künstlernamen Hedy Lamarr als erste Schauspielerin in einem Kinofilm während einer Liebesszene äußerst stilvoll einen Orgasmus imitierte.

Der bereits erwähnte Redakteur bemängelte nämlich, dass die Leistungen dieser Frau als Schauspielerin im ersten Satz ihrer Wikipedia-Biographie erwähnt wurden, ihre bahnbrechenden Erfindungen dagegen erst im zweiten.

Aber – um den armen Mann ein wenig zu trösten – durch den imitierten Orgasmus, den die begabte Schauspielerin ausschließlich durch Stöhnen und Mimik frappierend echt auf die Leinwand zauberte, wurde Hedy Lamarr nicht nur im Jahr 1933 zum Weltstar, sondern sie wird dadurch mit etwas Glück vielleicht zusätzlich noch in die ausführliche Wikipedia-Liste der Pornodarstellerinnen aufgenommen.

Außerdem möchten wir hier mal darauf hinweisen, dass der Filmpartner Hedy Lamarrs, der ja an dem Orgasmus tapfer mitgearbeitet hatte, in Wikipedia überhaupt nicht erwähnt wurde. Wie männerfeindlich ist das denn? Und wo wir schon mal gerade dabei sind: Wenn man bei der deutschen Wikipedia nach der Liste der männlichen Pornodarsteller sucht, kommt nur: „Der Artikel ‚Liste männlicher Pornodarsteller‘ existiert in der deutschsprachigen Wikipedia nicht.“

In der englischsprachigen übrigens auch nicht. Und warum nicht? Weil unsere Holden bei Wikipedia nicht mitarbeiten, denn nur Frauen interessieren sich beim Pornogucken für die männlichen Darsteller…


Erfinderin Hedwig Eva Maria Kiesler, besser bekannt als Hedy Lamarr, hier im Hollywood-Streifen ‚The Conspirators‘…


Das ist die erfolgreiche Pornodarstellerin Kirsten Price von der ausführlichen Wikipedia-Liste