Wie die Chinesen bei Smog mit frischer Luft versorgt werden

Die Inder haben inzwischen längst eine leistungsfähige Industrie, aber leider auch ein Riesenproblem: Die Luft ist zäher als Melasse und dieser Smog ist so übel, dass die Leute in New Delhi große Atemprobleme haben und reihenweise krank werden.

Die Chinesen sind aber noch viel ärmere Schweine, sie haben zwar ebenfalls eine florierende Wirtschaft, um nicht zu sagen, eine Industrie, die selbst Amerikaner vor Neid erblassen lässt, aber leider kein bisschen Luft mehr zum Atmen. Die chinesische Luft kann man buchstäblich in Streifen schneiden und als Kaugummi verkaufen (was die Chinesen wahrscheinlich auch längst tun).

Selbst auf dem Land ist die chinesische Luft noch um einiges giftiger als zum Beispiel die im englischen Birmingham, der Stadt mit der schlechtesten Luft Großbritanniens. Bleiben wir doch gleich in Großbritannien, dort lebt nämlich eine Familie, die nach eigenem Bekunden so richtig Mitleid mit den armen Chinesen hat. Diese guten Menschen – Lester Hatchinson* (27), seine Mama Marylou (47) und Schwesterchen Priscilla (24) – kommen aus einem Kaff in Westengland und haben angesichts der entkräftet durch die Straßen torkelnden Menschen in China eine tolle Geschäftsidee entwickelt. Sie „ernten“ mit großen Plastiktüten die westenglische Landluft und füllen Sie in Einweckgläser, die danach luftdicht verschlossen werden. Diese Einweckgläser mit köstlich frischer englischer Landluft, verkaufen die Hatchinsons den torkelnden Chinesen. Und zwar für satte 80 Pfund das Glas, das sind umgerechnet etwa 100 Euro.

Diese Geschichte ging wie ein Lauffeuer quer durch die Medien, deshalb haben wir ein Interview mit der Familie Hatchinson gemacht. Dabei gestanden die guten Leute ein, dass sie in Wirklichkeit gar nicht in dem westenglischen Kaff wohnen, sondern in Birmingham.

„Und da fahren Sie jeden Tag über 200 Kilometer aufs Land, um Frischluft zu ernten?“, wollten wir wissen. Da drucksten die Leutchen ein wenig herum und meinten schließlich: „Naja, am Anfang sind wir schon aufs Land gefahren. Aber die Spritkosten schmälern den Gewinn doch erheblich. Und wir können auch viel mehr Gläser verschicken, wenn wir in Birmingham bleiben“, meinte Lester etwas verlegen. Aber das sei trotzdem kein Betrug, denn sie bekämen die Gläser von einer Firma aus der Schweiz, und zwar bereits luftdicht verschlossen.

Die Schweizer Luft sei bekanntlich sehr sauber und frisch, da werden die chinesischen Käufer keinen Unterschied feststellen können, verriet uns Marylou. Familie Hatchinson öffnet also die Gläser mit der gesunden Schweizer Luft wohlweislich nicht, sondern verschickt sie direkt nach China. Auf diese Weise kann der eklige Smog aus Birmingham die Luft in den Gläsern nicht verseuchen.

Um unserer journalistischen Sorgfaltspflicht nachzukommen, fragten wir bei der Schweizer Firma nach, ob die Luft in den Gläsern tatsächlich aus den Schweizer Bergen stammt. Der Pressesprecher war sehr freundlich und meinte: „Wir beziehen die Gläser von einer indischen Firma, die sie nach eigenem Bekunden in Nepal fertigen lässt, dort sei die Luft noch viel besser, als in der Schweiz oder Westengland.

Der Chef der indischen Firma gab uns sehr bereitwillig die Telefonnummer ihres nepalesischen Geschäftspartners, von dem wir erfuhren, dass sie die Gläser schon seit Jahren nicht mehr selbst herstellen, sondern bereits luftdicht verschlossen aus dem Ausland beziehen. „Und wo werden die Gläser denn nun hergestellt?“, wollten wir wissen. Der Mann kicherte: „Na in China natürlich, da ist doch alles spottbillig…!“

*Alle Namen geändert


In diesem Glas befindet sich übrigens von Fachleuten zertifizierte reinste Luft aus Bad-Cannstatt. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn lässt es sich nicht nehmen, an jedem einzelnen Glas probezuschnüffeln, bevor es für 280 Euro das Stück nach China exportiert wird…